Was ist systemisches Denken und systemische Arbeit?

Systemisches Denken ist für uns zuerst eine ganzheitliche Grundhaltung zum Lebendigen.

Es beschäftigt sich mit den lebendigen Wechselwirkungen in komplexen bio-psycho-sozialen Systemen, die unser Leben ausmachen.
Es basiert zum einen auf systemtheoretischen Überlegungen, die Aufbau, Funktionen und Interaktionsprozesse von lebendigen Systemen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stellen, und zum anderen auf konstruktivistischen Annahmen der Erkenntnistheorie, wie wir die Welt wahrnehmen können.
Somit wirkt sich systemisches Denken als Grundhaltung in allen Handlungsfeldern wo Menschen mit sich, anderen und ihrem Lebensraum umgehen, direkt aus.
Dabei ist der stetige Wandel/Veränderung/Entwicklung Grundprinzip dieses Prozesses, der über die Metapher der Beziehungsfähigkeit zu sich und der Welt gut beschrieben werden kann.

Was die praktische systemische Arbeit betrifft, hat Wilhelm Rotthaus auf der Seite der DGSF dies sehr gut beschrieben. Wir schließen uns dieser Beschreibung an:

Grundsätzliches zum systemischen Arbeiten von Wilhelm Rotthaus

„Die systemische Psychotherapie, die systemische Beratung und die systemische Supervision bauen auf modernen Konzepten systemtheoretischer Wissenschaft auf, die mittlerweile Eingang in alle Disziplinen der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften gefunden haben. Sie ermöglichen es, komplexe Phänomene, die menschliches Leben und Zusammenleben charakterisieren, komplexitätsgerecht aufzufassen und eine passende Methodik zu ihrer Behandlung zu entwickeln. Nach systemischem Verständnis ist der Mensch immer zugleich als biologisches und als soziales Wesen zu betrachten.
Die systemische Perspektive rückt deshalb die dynamische Wechselwirkung zwischen den biologischen und psychischen Eigenschaften einerseits und den sozialen Bedingungen des Lebens andererseits ins Zentrum der Betrachtung, um das Individuum und seine psychischen Störungen angemessen verstehen zu können. Die systemische Therapie und Familientherapie verfügen über eine eigene klinische Theorie und Methodologie zur Erklärung und Behandlung psychischer Störungen. Psychische Krankheiten werden als Störung der Systemumweltpassung definiert. Individuelle Symptome werden als Ergebnis von krankheiterzeugenden und -aufrechterhaltenden Beziehungsmustern im Kontext der wichtigen Bezugspersonen gesehen. Diese Personen werden deshalb nach Möglichkeit in den therapeutischen Prozess mit einbezogen. Es stehen aber auch geeignete Methoden für die Durchführung von systemischer Einzeltherapie und systemischer Paartherapie zur Verfügung.
Grundlage für die systemische Praxis ist die Kooperation zwischen Hilfesuchendem und Helfer. Zentrales Arbeitsmittel ist der öffnende Dialog. Dem Klienten gegenüber bemüht sich der Therapeut, Berater oder Supervisor um eine Haltung des Respekts, der Unvoreingenommenheit, des Interesses und der Wertschätzung bisheriger Handlungs- und Lebensstrategien.“